KRITIKEN - STRAUBERG IST DA

 

AUSZÜGE AUS REZENSIONEN

 

STRAUBERG IST DA ist ein Film über Machtstrukturen, die sich hinter der intellektuellen Pose verbergen, ein Film über Ausbeutung und Unterdrückung...

Die Protagonisten des Films sind nicht nur Darstellungen einer  bestimmten Lebenssituation, es sind auch wirkliche Menschen, von denen man glauben mag, ihnen schon einmal begegnet zu sein. Und die Männlichkeitsrituale der drei, mit deren sie ihre Person umpanzern und ihre  Versagungsängste, die Verlorenheit des Kindes, die Befangenheit der Frau in einer Situation, da sie sich über ihre Ausbeutung klar wird, dennoch aber nicht mehr als ein paar ohnmächtige Gefühlsausbrüche zustande bringt - all dies  ist kein Privileg von Mitgliedern des ,,Kulturbetriebes", dem die Beteiligten ja vorwiegend angehören... Als mit das  Überzeugendste an diesem Film erscheint seine sowohl gestalterische wie thematische Einfachheit und Strenge, die seine unbezweifelbare formale Meisterschaft nie zum Selbstzweck werden ließ.

 EVANGELISCHER FILMBEOBACHTER NR.13/1978

 

...Die  strenge Gestaltung, die sich die Kontraste der  Situation zunutze macht und Dieter Matzkas  präzise und scharfe Schwarzweiß-Fotografie  entwickeln  eine Faszination, der sich der Zuschauer so wenig entziehen kann wie einem Thriller, und STRAUBERG IST DA als Thriller zu  sehen, ist durchaus eine Möglichkeit ihn zu  verstehen...

GEORG  SEESSLEN / FILM UND TONMAGAZIN HEFT 9/1978

 

...Man sollte jungen Filmemachern den Stadtteil Schwabing verbieten, am besten die ganze Stadt München, damit sie weniger  Gelegenheit haben, im eigenen Saft zu schmoren und im Daueraustausch ihrer Problemchen mit ihresgleichen die wirkliche  Welt vergessen: Mischa Gallé hat sich und ihrem Kameramann Dieter Matzka, der dem Spielort, eine karge griechische Insel,  sehr gute, trocken-heiße Bilder abgewann, mit ihrem Film keinen Gefallen getan... Schwabings Subkultur mit mittellosen  Schriftstellern, mittellosen Schauspielern und mittellosen Regisseuren ist kein abendfüllendes Thema. Anders wäre es, wenn es sich um Qualitäten und Persönlichkeiten handelte...

 MÜNCHNER MERKUR 272/1978

 

STRAUBERG IST DA: Ein Stein des Anstoßes... Man möchte es nicht für möglich halten, und doch ist es wahr: dass  ein Kritiker, im Vollgefühl seiner (vermeintlichen) Macht, allen Ernstes - denn Ironie war leider nicht zu entdecken hinter  seinen Worten - die freundliche Anregung von sich gibt, gewissen unliebsamen Filmemachern der jüngeren Generation ,,den  Stadtteil Schwabing, am besten die ganze Stadt München" zu verbieten. Schöne Aussichten, wenn solche Wunschträume  Wirklichkeit werden sollten... Der Film, der den Mann, und vermutlich nicht nur ihn, in Weißglut versetzt, aber auch zur  Selbstentlarvung getrieben hat, heißt STRAUBERG IST DA... Diese ,,Parabel auf den Kulturbetrieb" setzt einen Zuschauer  voraus, der zum Mitdenken bereit ist und auch das Zeug mitbringt, das Geschehen auf der Leinwand sinngemäß zu entschlüsseln. Dies letztere freilich wird umso schwerer fallen, je stärker sich einer, wenn auch in Tiefenschichten des  Unterbewussten, persönlich von den Geschehen des Films betroffen fühlt und sich daher gegen ihn wehrt...

EPD / KIRCHE UND FUNK / DIETMAR SCHMIDT 1979

 

Ganz modern jedoch  will sie den bundesdeutschen Kulturbetrieb geißeln, in dem sich - wie in einem Karussell -  Machtgier, Dünkel Mittelmäßigkeit, Korruption  und Bürokratie drehen. In Mischa Gallés Augen  laufen lauter kleine Mörder unter uns herum...  Bescheinigen kann man ihr, dass sie atmosphärische Dichte zaubern (selten sah ich  einen griechischeren Film) und Typen wie  Bernadette Lafont und Michel Piccoli führen  kann...

HAMBURGER  MORGENPOST / NOV. 1978

 

..Der unglückliche Dialog und der inszenatorische Dilettantismus nehmen dem großen Programm seine Überzeugungskraft...  Der Film, der auf dem Papier noch ein eindrucksvolles Versprechen gab, leidet also im Kino an einer ganzen Reihe von  Mängeln... Sicher, eine verzweifelte Monotonie soll demonstriert werden, doch eben sie hat besonders kluge und geschickte  Einfälle, besonders souveräne Darsteller nötig... Auch entspricht es wohl eher den Konventionen des Kinos als der praktischen  Wahrscheinlichkeit, dass die Geschichte mit einem Gewaltakt endet; das Traurig-Typische am Existenzkrieg der „Kulturschaffenden" ist es ja wohl, dass er nie ausbricht, dass er immer wieder unterdrückt wird...

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG NR. 271 / 1978

 

...Sie entwarfen bereits 1971  das Drehbuch zu einem schnell erkennbar recht ungewöhnlichen  Film... Die von Dieter Matzka in grell kontrastreicher  Schwarzweißfarben eingefangene  Urlandschaft lebt; die von  Mischa Gallé entworfenen und gestalteten Dialoge muten  keinesfalls sieben Jahre alt an...

WELT / HANS HELLMUT KIRST / 1978

 

...Beachtlich!... Jeder  hat seinen Strauberg!

DIE ZEIT / 1978

 

Für Mischa Gallé ist der Film eine Abrechnung rnit der Kulturszene, wie sie selbst lange Jahre mitgemacht hat, wo wenig Platz  bleibt für Freundschaft und Kreativität, weil die wirtschaftlichen Strukturen rücksichtslos die Unterdrückung des Nächsten  verlangen, damit man selbst überleben kann. Dass die abstrakte Situation Allgemeingültigkeit besitzt und letztlich auf alle  Bereiche zwischenmenschlichen Agierens zu übertragen ist, liegt zum einen an der klaren, zuweilen schockierend konsequenten dramaturgischen Gestaltung, zum anderen aber an der beinahe archaisch einfachen und wunderschönen Bildern,  die Dieter Matzka in dem Schwarzweiß-Film zu vermitteln versteht...

SALZBURGER NACHRICHTEN / 1979

 

Und damit begibt  sich diese Filmattacke gegen den Kulturbetrieb  aufs Glatteis: Denn welcher Hahn kräht schon  nach der Wut der  mittelmäßigen?...Abgesehen  von  der Unlogik (im Kulturbetrieb findet Entladung nur hinterrücks und verbal, nie physisch statt -  siehe Godards „Verachtung"!) hat diese verbissene Straubergelei eine gewisse Negativ-Faszination: Ausgebleichte Intellektuelle als Ungeziefer in griechischer Urlandschaft - das sind böse Rachebilder einer neidzerfressenen  Leistungsangst...

ABENDZEITUNG  / PONKIE / 1978

 

...Weniger die trostlose Zeichnung  der vier ,,Kulturarbeiter" ist es wohl, die den Film so  radikal und genau erscheinen lässt, als vielmehr die  Tatsache, dass ihre Mittelmäßigkeit, ihre Korruption,  ihre  Unproduktivität begriffen werden als Folge der Bedingungen,  unter denen sie zu arbeiten haben, ihrer ökonomischen  Abhängigkeit von Strauberg - der natürlich auch, zum  Beispiel, das  Fernsehen sein kann. Und so gesehen kann gerade  der Schluss jenen nicht behagen, die, unter anderem, auch  diesen Film mitfinanziert haben: Die Konsequenz wäre ihre  Abschaffung.

FRANKFURTER RUNDSCHAU / GUNAR HOCHHEIDEN / 1979

 

...Die  unschöpferische Selbstbespiegelung scheint symptomatisch für eine gewisse  Intellektuellen-Schicht...

TZ-MÜNCHEN  / 1978

 

Dass sie Filme machen kann, dass sie ein Gespür hat für Geschichten, für Situationen, für eine Psychologie der Handlung, hatte  Mischa Gallé übrigens mit einem kurzen Film bewiesen: „Die Ohrfeige"... und es bestätigt sich, was ,,Die Ohrfeige" ahnen ließ:  dass Mischa Gallé zusammen mit Dieter Matzka, der die Kamera führte - Menschen beobachten kann: dass sie ihnen nicht  umfangreiche Dialoge in den Mund legen muss, sondern ihnen auflauert, ihren Gesten nachspürt, der Art, wie sie gehen, sitzen,  essen, miteinander verhandeln. Das ist eine intensive Beschreibung von Figuren, in denen Gesellschaftliches sich spiegelt...  Mischa Gallés Figuren sind zu deutlich Produkte, wenn man so will auch: Opfer einer Gesellschaft, die wir, die Zuschauer, allzu  gut kennen und wieder erkennen Das macht den Film unbequem und keineswegs leicht konsumierbar. Es macht ihn provokativ,  herausfordernd zu einer Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, es sei denn, man lehnte den Film rigoros ab, was freilich bequemer  wäre. Denn was in ,,Strauberg" vorkommt und geschieht, ist nicht eben schön. Es ist ziemlich ekelhaft. Aber ekelhaft ist nicht  der Film: es sind die Geschichten, von denen er berichtet. Dieser Film braucht ein aufgeschlossenes, intelligentes, zur Diskussion bereites Publikum...

 KULTURSPIEGEL / BAYERISCHER RUNDFUNK / KLAUS EDER / 1978

 

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