AGDOK UND DOKUMENTARFILMKONGRESS 1

Viele, nicht der ag dok verbundenen KollegInnen, wissen bis heute nicht, dass wir unsere Mitgliedschaft in dem Verband beendet haben. Immer mehr werden wir nach dem Grund unseres Austrittes gefragt. Es gibt Kollegen, die nach genauerer Recherche die ag dok bereits verlassen haben.

Wir waren über zehn Jahre aktive Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (ag dok). Davon war Dieter Matzka rund zehn Jahre Vorstandsmitglied.

In dieser Zeit haben wir als medienpolitisch engagierte  Filmemacher neben dem Filmemachen mehrere dokumentarfilmbezogene Projekte initiiert und realisiert. Der ag dok, als Interessensverband deutscher DokumentarfilmerInnen, wurde auf Grund unserer aktiven Mitgliedschaft immer angeboten, sich an den Projekten zu beteiligen. Nachdem wir schon Ende der 80er Jahre die Dokumentarfilmszene auf internationalen Märkten, Festivals und Events aufsuchten und dort wichtige Erfahrungen sammeln konnten, waren unsere  Projekte auch auf diesen internationalen Bereich ausgerichtet.

Mit unseren Initiativen haben wir die ag dok auf die internationale Dokumentarfilmszene eingeschworen. Mit viel persönlichem, zeitaufwendigem und zum Teil  eigenen finanziellem Engagement trugen wir entscheidend dazu bei, den Verband nicht nur national sondern auch international hoffähig zu machen.

Die fünf maßgebenden Projekte waren:

1. neben unserer eigenen Teilnahme auf  internationalen Märkten, nahmen wir von Jahr zu Jahr die Filme von KollegInnen mit. Aus diesem Engagement entwickelte sich schließlich die Beteiligung der ag dok mit eigenem Stand auf den Filmmärkten in Marseille und auf der MIP.

2. Die internationale Veranstaltung THE DIRECTORS CUT in Amsterdam machte die ag dok erstmals bei den europäischen KollegInnen bekannt.

3. Die Idee, Entwicklung und Realisation von GERMAN DOCUMENTARIES. Eine Initiative für die  Promotion des deutschen Dokumentarfilms im Ausland. Nach zwei Jahren eigener Investitionen hat sich dieses Projekt so durchgesetzt, daß es schliesslich vom Bundesministerium gefördert wurde.  

4. Die Marktbeteiligungen in Marseille und der MIP mit eigenem Stand.

5. Der Europäische Dokumentarfilm & TV Kongress 1999 in München. Idee von Wilma Kiener und von uns beiden zusammen mit Tue Steen Mueller vom EDN  entwickelt, organisiert und durchgeführt. Trotz der ag dok ist es uns gelungen, diesen heute anerkannten Kongress zu realisieren.

Es ist nachvollziehbar, dass diese von uns initiierten Projekte eine Steigerung der Mitgliederanzahl  von über 300 KollegInnen mit sich brachte (eine 2/3 Zuwachsrate).

Warum haben wir die ag dok im Dezember 1999 verlassen?

Weil wir der Meinung sind, dass uns u.a. folgende  Erfahrungen und Handlungsweisen innerhalb des Vorstandes und der Basis der ag dok als unerträglich erschienen:

1. Innerhalb unserer Aktivitäten, seien es Projekte oder notwendige Vorstandsunternehmungen mussten wir immer die ag  dok vorfinanzieren. Jetzt wären wir gezwungen gewesen (September 2000) vorausgelegte Ausgaben und Aufwandsentschädigungen für die ag dok für 1998/99 bei Gericht einzuklagen. Wir haben die Klage zurückgezogen, weil wir es uns nicht zumuten wollen, mit bestimmten Menschen die selbe Luft in einem Gerichtssaal atmen zu müssen.

2. Seit mehreren Jahren führen wir eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem SFB. Die  Angelegenheit wäre ein Präzedenzfall für alle Dokumentarfilmschaffenden in Deutschland gewesen. Die ag dok hat sich weder ideell noch finanziell in dieser Angelegenheit stark gemacht. 

3. Die ag dok veranstaltet gleichzeitig mit dem  SFB eine Dokumentarfilmnacht, in der vermutlich nur Filme gezeigt werden, deren Rechte bereits die ARD besitzt und kein Wiederholungshonorar zu bezahlen ist. Unsere vehemente Kritik an dieser geplanten Veranstaltung wurde  mit massivem Mobbing seitens einiger Vorstandsmitglieder gegen uns erwidert.

4. Nachdem die ag dok zum Jahreswechsel 98/99 mit DM 30.000.- im Minus lag hat uns der Vorstand bei der Vorbereitung des Kongresses finanziell sitzenlassen. Dies war der Grund, warum wir eine eigene GBR für den Kongress gegründet haben. Somit hat die ag dok mit Namensgebung und einer Teilfinanzierung, die sie über die VG Bild+Kunst einbrachte und der GBR übertrug, mit dem  Kongress nur in Hinsicht einer Schirmherrschaft zu tun. Über 3/4 der Finanzierung wurde durch unser eigenes Engagement eingebracht. Somit ist der Kongress eine eigene Gesellschaftsgründung und hat mit der ag dok als  wirtschaftliches Unternehmen nichts gemein. In der Gesellschaftsurkunde kommt die ag dok als juristische Person nicht vor.

5. Im dem Zeitraum der Kongressvorbereitung, haben wir die Unternehmungen GERMAN DOCUMENTARIES  und MIP DOC - TV 1999  vorfinanziert. Der geschäftsführende Vorstand, zuständig für die Finanzen in der ag dok, war für uns kaum erreichbar. Wir bekamen große Probleme mit unserer Bank, was niemanden in der ag dok interessierte, man es eher als selbstverständlich voraussetzte. 

6. Während der  Vorbereitung des Kongresses, und bei unserer üblichen Vorfinanzierung der ag dok wurde von Vorstandsmitgliedern vertstärkt gegen uns gemobbt. "Dieter Matzka ist die Schande der ag dok und gehört  abgewählt". Kai Krüger nennt sich das Vorstandsmitglied, der, lt. Zeugen, diesen Ausdruck prägte.

7. Nach dem erfolgreichen Kongress, im Sommer 1999 entlarvte sich durch Zufall der Vorstandsvorsitzende als Intrigant uns gegenüber. Seine eigene Beteiligung am Mobbing stellte sich heraus. Durch eine totale Zensur der ag dok Diskussions e-mail line verhindert er einen Meinungsaustausch zwischen uns  und den Mitgliedern. Für uns ein unglaublicher Vorgang, der Politbüropraxis demonstriert. Als Vorstandsmitglied wurde Dieter Matzka kalt gestellt. Eine aktive Verbandsarbeit war somit nicht mehr möglich.

8. Unsere Abrechnung des Kongresses ergab eine Einsparung von 1/3 der  kalkulierten Kosten (ca. DM 130.000). Doch wir sollten Rechnungen an die ag dok überweisen, die nicht kongressbezogen sind, bzw. von uns auf Grund der Förderrichtlinien nicht anerkannt werden konnten. Man wollte uns zur Zahlung zwingen  und wir bekamen Informationen, dass man uns durch Gerichtsverfahren finanziell fertig machen will. Warnungen durch uns freundlich gesinnte Kollegen sagten, dass bestimmte Mitglieder falsche eidesstattliche Erklärungen gegen uns abgeben sollen (einige taten es). Eine “kreative” ag dok Abrechnung des Kongresses unterscheidet sich mit dem Ergebnis unserer Abrechnung in dem Betrag von über DM 70.000.-. Zu Gunsten der ag dok natürlich. Das Kongresskonto, auf dem übrig gebliebene zigtausende von Mark zur Rückzahlung deponiert waren,  wurde durch einen Münchner Kollegen, den wir in die GBR aufnahmen, ohne unsere Zustimmung einzuholen, leer geräumt. Das Fazit wird noch nachgeliefert.

9. Münchner  ag dok Mitglieder “entzogen uns ihr Vertrauen”, weil wir nach deren Meinung den Kongress wirtschaftlich schlecht abgewickelt haben. Ihre Anklage war, dass man keine übriggebliebenen Fördergelder zurückgibt, man müsse damit  kreativ umgehen.

10. Der Vorstand der ag dok erklärte unser Projekt GERMAN DOCUMENTARIES als sein Eigentum. Ein Vorgang, den vergleichsweise die Fernsehanstalten mit den Filmen der Dokumentarfilmer betreiben und gegen den die ag  dok seit Jahren ankämpfen will, immer wieder öffentlich protestiert und dabei lässig versagt. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Rechtsbewusstsein  unserer organisierten DokumentarfilmkollegInnen in Bezug auf Urheberrecht scheinbar nur für sie selbst gilt. Wenn es um die eigenen Vorteile geht, hört auch in einer ag dok der faire Umgang mit betreffenden Kollegen auf.

Dies alles und noch viel, viel mehr bewog uns, aus diesem Verband auszutreten. Unser letztes Schreiben an die KollegInnen der ag dok hatte keine Auswirkung auf eine notwendige Strukturverbesserung innerhalb der ag dok und wurde als lästig empfunden. Trotzdem danken wir den dutzend Freunden  unter den über 500 Mitgliedern, die auch ein gewisses Mobbing in Kauf nehmen mussten, weil sie zu uns hielten (siehe unser letztes Schreiben). 

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